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Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Start beim Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Vollmondmarathon Winteredition am 14.1.06 in Hersbruck - Bildbericht von Thomas Schmidtkonz

Trotz aller Irrwege ein Laufspaß nicht nur für Mondsüchtige

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Vor dem Start

Finster sind die Wolkenmassen zwar nicht, aber ein undurchdringliche Hochnebeldecke verdeckt den Blick zum freien Himmel und somit auch den Blick zum heutigen Vollmond, der in knapp zwei Stunden aufgehen soll. Er verdeckt mir aber nicht den Blick auf all die werten Laufkameraden, die ich treffe, als ich die Startunterlagen für den ersten winterlichen Vollmondmarathon bei der Frankenalbtherme Hersbruck abhole.

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Links Laufautor Werner Sonntag

Von eisiger Temperatur abgeschreckt starten heute nur gut 80 Teilnehmer. Das ist zwar nur ein kleines Häufchen von dem, was sich sonst so bei einem renommierten Marathon an Teilnehmern so verzeichnen lässt. Aber wer genauer auf die Starterliste blickt, wird sehen, wer so alles von der Laufprominenz der Marathonszene und ganz besonders der Ultraszene vertreten ist. Da findet sich nicht nur der renommierte Laufbuchautor Werner Sonntag sondern auch so Ikonen des Ultralaufs und Extremläufer wie der Transeuropasieger Robert Wimmer, der "Australien-Bezwinger" Achim Heukemes,  die 1200 fache Marathonfinisherin Sigrid Eichner, weitere Transeuropaläufer, Yukon und Les Sables Finisherin Angela Ngamkam und viele weitere interessante Laufpersönlichkeiten.

Die heutigen Temperaturen sind so frostig, dass ich glatt die Pressekonferenz im Startbereich im Freien in der warmen Cafeteria verschwitze. Derweil rätsle ich, wie man die selbst leuchtenden Neonbändchen, die spöttische Münder auch als "Leuchtspaghetti" titulieren, tragen soll. Laut der tiefroten Marathonbeschreibung soll jeder verpflichtet sein diese zu tragen.

Es sind nur noch wenige Minuten bis zum Start um 15:17. Diese komische Zeit wurde deshalb so gewählt, weil laut komplexer astronomischer Berechnungen in Hersbruck am heutigen Tage just eine exakte Stunde später der Vollmond aufgehen soll.

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Langsam sammeln sich die Starter des Marathons

Derweil ist aber noch heller Tag und ein kalter dazu. Soll ich doch noch ein zusätzliches dünnes Laufshirt unter der dünnen Laufjacke anziehen? Mir wird es doch immer so schnell warm! Ein stetes gedankliches Hin und Her. Bei diesem inneren geistigen Disput gewinnt schließlich  die "Ich will nicht frieren" - Fraktion die Oberhand. So eile ich schnell zu meinem Auto - es ist ein Subaru, der Laufshirt-Sponsor der Veranstaltung, einer großen deutschen Automarke zugehörig, möge mir verzeihen. Ich zieh noch ein zusätzliches Shirt an.

Ich bin gerade dabei das zusätzliche Shirt überzustreifen, als mich ein Mitstreiter fragt, ob ich nicht ein paar Sicherheitsnadeln übrig hätte. Auch das noch! Als hätte ich so knapp vor dem Startschuss nicht andere Sorgen. Aber man soll ja Gutes tun und so erweise ich mich als Samariter, als ich auf die Schnelle aus dem Nirgendwo drei Sicherheitsnadeln hervorkrame, die ich wohl heute entbehren kann.

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Gleich geht's los!

Dabei spielt sichtlich vergnügt Martin Linek mit seiner Startpistole herum. Während Sarah von Radio Nürnberg professionell und charmant das Geschehen moderiert, zielt Martin mit seinen Revolver nicht minder professionell gen Himmel, als hätte er sein Lebtag nichts anderes getan.
Nur wo bleibt der von allen in dieser Kälte heiß ersehnte Knall?

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Martin Linek zielt gen Himmel: Gleich wird  der Startschuss fallen!

Der Start

Der Knall bleibt aus. Nichtsdestotrotz erfolgt der Start trotzdem pünktlich. Vielleicht hat auch jemand einfach "Peng!" gesagt. Aber das habe ich dann überhört, da ich fotografisch voll mit dem immer dramatischen Geschehen eines Marathonstarts beschäftigt bin.

Martin Linek der OK - Präsident steht auf so einem schönen Podest. Da muss ich mich dazugesellen. So kann ich von diesem erhöhten Platz schön das Startgeschehen fotografieren, bevor ich mich dann auch zur Startlinie bequeme und diese als eine der letzten Läufer überquere.

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Es folgen die weiteren Läufer

Der Lauf

Aber wo ist nun der Vollmond? Ach ich Dummkopf, er geht erst in einer Stunde auf! Aber egal, wegen der Hochnebeldecke werden wir ihn ohnehin nicht sehen.

Das Wetter ist bitterkalt und es regt sich kaum ein Lüftchen. Da könnte ich doch mal etwas schneller laufen! Das hätte auch den Vorteil, dass es mir bei dieser sibirischen Temperatur wärmer wird.

Kilometer eins passiere ich trotz einiger Fotopausen nach 4:57 Minuten. Wow, bin ich schnell!.
Allerdings erfahre ich von Mathias, der ein Messgerät mitführt, dass der erste Kilometer offensichtlich nur gute 900 Meter lang war. Ach, Mathias Du Spielverderber!

Trotz dieser Enttäuschung halte ich mein Tempo. Beim zweiten Kilometer scheint dann auch die Entfernung zu stimmen. Dabei bemerke ich, dass ich heute gut drauf bin. Einzig stört mich die kalte Luft, die ich einatmen muss.

Hinter Kilometer Drei kommt mir schon der momentan Führende Robert Wimmer entgegen. Es kommen weitere Rennhasen entgegengelaufen. Toll, sind die schnell!
Das ist der Vorteil einer Wendestrecke. Man sieht bekannte Gesichter von Mitstreitern, die schneller oder langsamer sind.

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Hier kommen uns bereits die führenden Läufer entgegengelaufen

Schließlich darf auch ich wenden. Sind wir bislang von Hersbruck passend zu einem Lauf Richtung Lauf gelaufen, laufen wir - nein natürlich nicht Richtung Marathon - sondern Richtung Pegnitz das schöne Pegnitztal talaufwärts. Links und rechts von uns erheben sich die Gipfel der Hersbrucker Schweiz. Wegen der trüben Aussicht verlieren sie sich heute leider im Hochnebeldunst.

So hat diese Strecke durchaus ihre landschaftlichen Reize, wenn auch die Strecke selbst ziemlich flach und damit schnell ist.

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Winterliche Stimmung im schönen Pegnitztal

Da Martin Linek auch ein Freund von Landschaftsläufen ist, hat er wohl bewusst eine Feld- und Wiesenpassage mit eingebaut, damit die Liebhaber des Crosslaufes auf ihre Kosten kommen. Sicher hat das nachher bei der Nachtrunde in der Dunkelheit den einen oder anderen Straßenläufer nicht so sehr erfreut. Aber, wer schon mal in Biel bei Nacht und Regen den Ho Chi Minh - Pfad gelaufen ist, hat für so was nur ein müdes Lächeln übrig.

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Elke Czermin, die bei den Damen Zweite wird, hat auch für die einzige Crosspassage ein Lächeln übrig

Auf Irrwegen ins Ziel

Bis Kilometer 11 geht alles aalglatt, obwohl die Wegweisung etwas zu wünschen übrig lässt. Aber man kann sich gut an der Wegweisung der Nordic Walking Strecke von Hersbruck orientieren.
Aber wie so oft, wenn alles zu glatt geht, lässt eine unangenehme Überraschung nicht lange auf sich warten.

Ich liege für meine Leistungsklasse wirklich Klasse in der Zeit und habe  bereits Läufer überholt, die ich sonst nicht überhole. Das könnte eine neue persönliche Marathonbestzeit werden.
Gut gelaunt lass ich mir an der zweiten Verpflegungsstelle einen Becher Wasser reichen. Super, sogar mit Eiswürfeln drin. Da wurde an die überhitzten Läufer gedacht. Au nein, das Wasser ist durch die Kälte fast zum Eisklumpen gefroren. Dann doch lieber einen heißen Tee nehmen. Ich wechsle noch mit Martin Linek ein paar Worte, da er als Veranstaltungschef hier gerade nachschaut, ob alles in geordneten Bahnen verläuft und sich auch keiner verläuft.

200 Meter dahinter gabelt sich der Weg. Die roten Schilder der Nordic Walkingstrecke weisen nach links.
Vor mir und hinter mir kein Läufer, den ich nach seiner Meinung fragen könnte. Ich will doch nicht vom rechten Weg abkommen! Trotz alledem, rechts kann nicht sein, das rote Schild weist nach links. Ich will Bestzeit laufen, da muss man Mut zum Risiko haben und kann nicht die Zeit vergeuden und noch mal 200 Meter zurücklaufen, um dann ausgelacht zu werden, wenn man nach den Weg fragt.

Also links!

Kurz dahinter muss ich eine Straße überqueren und werde fast von einem Auto überfahren, das von einer nicht einsichtbar Kurve von links heran geschossen kommt. Diese Stelle hätte man aber absichern müssen!  Wieder eine Weggabelung. Das rote Schild weist wieder nach links. Ich überlege, wir haben über 11 km hinter uns, also müssen wir wieder Richtung Hersbruck laufen. Da muss der linke Weg Richtung Hersbruck stimmen. Wie zur Bestätigung meiner Vermutung sehe ich ganz weit vorne vor mir ein paar laufende Gestalten. Ich muss also richtig sein!

Die Kilometermarke 12 ist nun schon seit zwei Minuten überfällig. Ich muss sie übersehen haben. Aber die Kilometermarkierungen waren doch bislang so gut sichtbar! Es kommen wieder erste Zweifel auf. Vor mir laufen aber die drei Läufer unbeeindruckt weiter. Dann muss ja alles in Ordnung sein!

Kilometer 13 ist nun auch schon seit zwei Minuten überfällig. Oh je, ich glaub wird sind alle die falsche Richtung gelaufen. Außerdem müssten schon die ersten schnellen Läufer uns entgegen kommen, wenn wir wie beschrieben eine Wendestrecke laufen. Von einer Schlaufe in der Strecke war nicht die Rede. Was nun machen? Nein, umkehren will ich jetzt auch nicht mehr. Ich lege eine Sprint zu den anderen dreien ein und muss feststellen, dass die drei eingeholten Laufkameraden genauso ratlos sind wie ich.

Wir beschließen nun einfach die Nordic Walking Strecke weiterzulaufen. Irgendwie werden wir schon nach Hersbruck kommen. Ich frage eine Spaziergängerin, ob der Weg wirklich nach Hersbruck geht. Zu meiner Freude kann sie die Frage bejahen.

Nach einer Laufzeit von 1 Stunde und 17 Minuten erreichen wir alle die Halbmarathonmarke. Natürlich ernten wir erstaunte Blicke und Fragen: "Was macht denn ihr schon hier?"
"Wir haben halt in letzter Zeit etwas mehr trainiert als sonst!", hätte ich am liebsten geantwortet.
Aber ich gestehe, dass wir uns alle hinter der zweiten Verpflegungsstelle verlaufen haben.
Mathias hat aber zum Glück einen Entfernungsmesser dabei. So beschließen wir einfach eine zusätzliche Wendestrecke zu laufen, damit das mit der Marathondistanz so in etwa hinhaut. Eine persönliche Bestzeit will ich aber nun nicht mehr laufen, weil ich die dann als korrekter Läufer nicht als solche zählen könnte. Also nehme ich Tempo raus. Einer der Verirrten namens Gerald sieht das auch so. Wir beschließen nun die restlichen 26 Kilometer zusammenzubleiben, da so was mit gegenseitiger Unterhaltung mehr Spaß macht, als nach dieser herben Enttäuschung 26 Kilometer griesgrämig durch die Eisnacht zu laufen.

Allmählich finden wir Spaß daran die verdutzten Gesichter der Fotografen, Zuschauer und entgegenkommenden führenden Läufer zu ernten, die sich darüber wundern wie solche "Laufschnecken" plötzlich so weit vorne sein können.

Nach unserer Strafschleife, um wieder auf die Marathondistanz zu kommen, hat dieser Spaß zwar sein Ende, aber dann sind wir beide in so interessante Laufgespräche vertieft, dass uns das alles mittlerweile egal ist. Nun können wir uns auch an jeder Trinkstelle viel Zeit lassen und reichlich Verpflegung fassen und mit den halb erfrorenen Helfern aufmunternde Worte wechseln.

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Nächtlicher Vollmondtrunk beim Vollmondmarathon. Rechts von mir mein Laufkamerad Gerald Schuman.
Wo ist nur der Vollmond?

Da wir langsam laufen, holen uns nun viele Läufer ein. Denen können wir dann auch immer wieder unser bisheriges Laufabenteuer schildern. Kurzum, seit unserem Irrlauf ist Genusslauf pur angesagt und für einen solchen ist Dank der reichlichen Verpflegung und der interessanten nächtlichen Laufstimmung genügend Gelegenheit vorhanden.

Jenseits der 30 Kilometermarke bin ich den Veranstaltern sogar dafür dankbar, dass ich nun nicht mehr aufs Lauftempo drücken muss.

Bei der nächtlichen Runde fällt dann übrigens die Orientierung deutlich besser aus, da man sich nun an den ausgelegten Leuchtstäbchen orientieren kann. Dennoch laufen wir noch ab und zu ungewollt einen kleinen Umweg bis wir die Leuchtstäbchen missen. Das hat aber dann den Vorteil, dass wir so sicher auf unsere Marathondistanz gekommen sind und getrost diesen Marathon in unserer persönlichen Laufstatistik mitzählen dürfen.

Bei Kilometer 37 holen zwei Bekannte von Gerald uns ein. So laufen wir nun zu viert. Da einer von ihnen meint seinen Autoschlüssel an einer bestimmten Stelle vor uns verloren zu haben, laufen Bernd und Gerald voraus, während ich nun mit Andrea eine neue Gesprächspartnerin habe.

Ins Gespräch vertieft stolpere ich trotz Lauflampe, die ich vor kurzen erst angemacht habe über irgendwas hartes. Ich weiß weder ob es ein Stein oder gefrorener Maulwurfshügel war. Aber ich stürze immer weiter nach vorne, während ich noch hoffe mich irgendwie wieder fangen zu können. Das geht wohl über eine Strecke von 5 - 10 Meter bis ich endlich im Dreck lande. Wenn das jemand auf Film gebannt hätte, wäre es sicher ein Lachschlager geworden. Aber so ist Andrea die einzige Zeugin des Vorfalls. Sie fragt mich besorgt, ob bei mir noch alles heil sei. Nach eingehender Überprüfung aller Knochen und Sehnen kann ich die Frage bejahen und weitgehend problemlos weiterlaufen. Nur der Schreck steckt mir in den Gott Lob noch intakten Gliedern.

Bei der Feld- und Wiesenpassage  parieren wir dann auch vom Lauftrab in den Schritt, während ich mich über all meine Stürze im Reitsport auslasse.
Dennoch bin ich nun der Meinung: Da soll nochmals einer sagen Reiten sei gefährlich und das Laufen nicht!

Es ist nun nicht mehr weit bis zum Ziel. Da die letzten 26 Kilometer recht gemächlich waren, bleibt noch die Kraft für einen kleinen Aufgalopp bis zur Ziellinie, die ich vor Freude wiehernd zusammen mit Andrea überquere.

Wegen so mancher abenteuerlichen Einlage kam zumindest bei mir keine Langweile auf. Ich hoffe beim geneigten Leser dieses Berichtes auch nicht.

Im Ziel gibt es heiße Getränke und leckeren Kuchen. Den Apfelkuchen hat der "Chef" sogar selbst gebacken, wie mir versichert wird. Bei welchen Marathon gibt es denn so was noch?

Da es aber nun doch recht kalt wird, flüchte ich in die Frankenalbtherme, in die wir kostenlos rein dürfen. Das Sprudelbad und weitere Finessen tun den geschundenen Marathongliedern richtig gut.

Nach dieser Wellnesskur komme ich gerade noch rechtzeitig zu Siegerehrung, die leider wegen fehlender Räumlichkeiten in der Kälte draußen stattfinden muss.

Vom Vollmondmarathon 2006 - Winteredition in Hersbruck

Sarah von Radio Nürnberg interviewt den Sieger Rene Strosny

Trotz der einen oder anderen Kinderkrankheit, die sich bei der Folgeveranstaltung ohne weiteres ausmerzen lässt, endet überselig diese Marathonnacht ...

Links

Offizielle Website des Vollmondmarathons
Interessante Website über den Vollmond

   
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